Das German Rum Festival und der Bar Convent Berlin sind für
dieses Jahr Geschichte. Die Veranstalter haben wieder zwei erfolgreiche Events
auf die Beine gestellt dies zusammen über 6000 Besucher in die Hauptstadt
locken konnten. Die Berliner Bars haben dem Publikum knapp eine Woche lang
gezeigt das sie zu Recht zu den besten des Landes gehören und waren stets gut
gefüllt. Das Aufeinandertreffen der Besucher und das damit verbundene
Networking sind für die Meisten der ausschlaggebende Punkt um sich auf den Weg
nach Berlin zu machen. Daneben locken
selbstverständlich die neuesten Produkte der Bar- und Spirituosenindustrie von
denen es dieses Jahr ungewöhnlich viele gab. Einige dieser Produkte auf welche
man in den kommenden Monaten ein Auge werfen sollte möchte ich hier (in
unbestimmter Reihenfolge) präsentieren:
Fee Brothers Orgeat & Falernum sind zwei Sirupe die noch
nicht in Deutschland erhältlich sind aber es wird laut Herrn Fee persönlich
daran gearbeitet. Das Orgeat ist nicht all zu süß und zeigt ein natürliches
volles Mandelaroma. Das Falernum ist in Sirupform zwar alkoholfrei aber konnte
neben einer balancierten Aromenmischung aus Nelke und Kardamom auch mit einer frischen Note von Zitrusfrüchten
punkten. Kombiniert mit einem Rum könnte man hieraus ein "richtiges"
Faslernum bauen.
Fee Brothers Gin Barrel-Aged Orange Bitters sind der neueste
Bitters aus dem Hause Fee. Dieser Bitters wurde zur Veredelung für eine gewisse
Zeit in gebrauchte Old-Tom-Gin-Fässer gelagert. Das Produkt ist ausgewogen süß
und bitter mit einem natürlich wirkendem Orangenbouquet. Geschmacklich ist er
zwischen den Orangenbitters von The Bitter Truth und Angostura anzusiedeln. Wer
einen Orangenbitters sucht sollte sich diese Neuheit einmal genauer ansehen.
The Bitter Truth Peach Bitters sind der neueste Streich der
deutschen Bittersmanufaktur. Nur zurückhalten Bitter können diese Tropfen mit
einem starken und vor allem natürlichen Pfirsicharoma überzeugen. Dieser Peach
Bitters ist der beste welcher mir bekannt ist und wird so manchen Manhattan und
Old Fashioned mit einer ungeahnt fruchtigen Note aufwerten. Des Weiteren wurden
die Rezepturen von TBT Grapefruit und TBT Chocolate angepasst nach der
kooperation mit Bittermens. Die Grapefruit ist nun fruchtiger während die
Schokolade deutlich würziger und runder daher kommt.
Dzama Rhum Cuvee Noire Prestige ist ein dunkler Rum aus
Madagaskar mit einem Alkoholanteil von 40%. Dieser ausbalancierte Brand hat die
Eigenschaft das er als Spiced Rum durchgehen könnte obwohl er es nicht ist. Das
Zuckerrohr welches den Rohstoff für diesen Rum bildet wächst inmitten von
Vanille-Plantagen und nimmt aufgrund dieses besonderen Terroirs die typischen
Aromen der gelben Orchidee über den Boden auf. Der Rum riecht und schmeckt als
hätte man eine Vanilleschote darin eingelegt obwohl dies nicht der Fall ist -
unglaublich! Eine Erfahrung die jeder
Rum- und Spirituosenliebhaber einmal erleben sollte.
Bristol Classics ist eine Reihe von Rums aus speziell
ausgesuchten Einzelfassabfüllungen. Die Produkte werden vom äußerst
sympatischen Firmenchef John Barrett selbst ausgesucht und entsprechend
weiterverarbeitet. Die Serie ist in diesem Sinne zwar keine Neuheit aber
erweitert sich stets. Es ist fantastisch einen Abfüller zu erleben der seine
Produkte mit ganzem Herzen versteht und vertreibt. Jeder Rum hat seinen ganz
speziellen Charakter und hat es verdient einmal genauer untersucht zu werden. Ein
besonderes Augenmerk viel dabei auf einen Port Morant Demerara von 1999 sowie
ein Caroni aus dem Jahre 1974.
Lions Vodka ist das zweite Destillat von den Machern des
Duke Gins aus München. Der Vodka wird aus Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste
destilliert. Der Brand mit 42% ist leicht süßlich und von milder Textur. Durch
die ausgesuchte Getreidemischung erhält er daneben ein sehr feines Aroma von
Hefe und Korn. Endlich gibts es wieder einmal einen Vodka auf dem Mark welcher
nicht durch einen Vielzahl von Destillationsdurchgängen und Filtrationen zu
einem Neutralalkohol herabproduziert wird.
Topanito Tequila gibt es in den Qualitäten Blanco und
Reposado. Beide Sorten bestehen aus 100% Agave und werden in Deutschland von
Perola vertrieben. Der Blanco konnte zuerst durch seine Fruchtigkeit
überzeugen. Mild und rund im Aroma ist er ein guter Partner für Cocktails und
andere Mischgetränke. Der Reposado ist etwas kantiger durch die zusätzlichen
Faßaromen und scheint etwas schärfer zu sein. Absolut überzeugen kann das PLV.
Ein Tequila mit dieser recht hohen Qualität und deutlich unter 20€ sollte der
Konkurrenz das Leben schwer machen!
Plantation 3 Stars ist ein weißer Rum-Blend aus den Ländern
Jamaika, Barbados und Trinidad. Das Produkt ist ein idealer Mixrum. Er ist
weder alkoholisch noch zu charakteristisch. Eine feine Frucht wird umwoben von
Karamell und Banane. Trotz eines recht hohen Anteil aus Jamaika ist noch eine
dezente Süße wahrzunehmen sowie minimale Reifetöne. In einfachen Rezepturen wie
einem Daiquiri wird dieser Zuckerbrand mit Sicherheit ein guter Spielpartner.
Kina Avion d´Or ist ein in der Schweiz hergestellter Weinaperetiv.
Wein der Cortese Traube aus dem Piemont, wird mit einer Kräuterinfusion aus
Chinarinde, Orangenschalen, Wermut und anderen exotischen Gewürzen versetzt.
Das Produkt ist süß und wird untermalt von einer ausgewogenen und leichten
Bitterkeit. Die Gewürzmischung kommt gut zur Geltung und wird von Zitrusaromen
dominiert. Der Likör eignet sich sowohl Pur als auch in Kombination mit einem
Schaumwein oder in Cocktails welche Quinquina verlangen wie der Corpse Reviver
#2.
Mezcal, egal ob Blanco, Reposado oder Anejo, war auf dem BCB
allgegenwärtig nachdem Mexico das offizielle Gastland der Messe war. Diese in
Deutschland noch total unterschätzte Spirituose wird mit Sicherheit in den
kommenden Jahren ihren Siegeszug antreten. Aufgrund der großen Vielfalt und den
großen Unterschieden untereinander ist es kaum Möglich zu sagen welche Sorten
den nun empfehlenswert sind. Hier sollte jeder selbst eine Verkostung
durchführen. Und selbst dann gibt es noch hohe Differenzen zwischen
verschiedenen Abfüllungen des selben Produktes was der Herstellungsweise zu
verdanken ist. Bei einem Tasting konnte Mezcal San Cosme durch ein mildes Aroma
punkten. San Cosme könnte man einfach als Tequila mit Rauchnote beschreiben.
Andere Mezcals sind dagegen deutlich komplexer, würziger und fleischiger im
Profil. Hier gefielen mir persönlich die Brände aus den Häusern Alipus, Del
Maguey und Los Dazantos.





