Freitag, 17. Juli 2009

Muskat


Was wären Drinks, wie der klassische Alexander, ohne einen Hauch von Muskatnuss on top. Meist findet sich diese kleine Finesse in Kombination mit sahne- oder milchhaltigen Mischgetränken wieder. Aber es geht auch in anderen Mixturen wie den Painkiller der nie ohne frisch gerieben Muskatnuss serviert werden sollte. Muskat ist ein Gewürz welches in der Bar in laufe der Zeit fast in Vergessenheit geraten ist. Durchstöbert man manch alte Cocktailbücher sieht man allerdings den regelmäßigen gebrauch der Baumfrucht.
Der Muskatbaum gehört zur Untergruppe der Magnolienartigen Pflanzen welche mit ca. 500 Arten gelistet ist. Den Weg nach Europa fand die Frucht bereits im 11 Jahrhundert durch arabische Händler. Das Verbreitungsgebiet der meisten Arten befindet sich in Südamerika und in Afrika. Der Muskatbaum (Myristica fragrans) gedeiht wunderbar in Indonesien und den kleinen Antillen. Die immergrünen Pflanzen können dabei bis zu 20m groß werden und geschlechtlich getrennt d.h. es gibt sowohl weibliche als auch männliche Bäume. Um den Ertrag einer Plantage gezielt zu erhöhen ist es also wichtig möglichst viele weibliche mit so viel männlichen Bäumen wie nötig anzulegen. Einen guten Ertrag werden diese Plantagen allerdings erst nach ca. 10 Jahren haben wenn die Bäume groß genug sind. Jeweils ein bis drei Nüsse wachsen schließlich in einer Frucht heran welche aufplatzt wenn ihre Samen reif sind (ähnlich einer Kastanie). Die Jahresproduktion liegt dabei bei geschätzten 11.000 Tonnen.
Die Nüsse sind dabei von einem knallroten Mantel umgeben welcher den Samen schützt. Dieser wird von der Muskatnuss getrennt und getrocknet ebenfalls als Gewürz verwendet. Bekannt ist dieses unter dem Namen Macis oder auch fälschlicherweise als Muskatblüte.
Wie bei vielen anderen Gewürzen gilt es auch hier möglichst frische Ware als ganzes Produkt zu kaufen und nicht als fertig gemahlenes Pulver. Dieses verliert zu schnell an Aromen und frische. Muskat besteht dabei größtenteils aus Pflanzenöl, Stärke und 5-13% ätherischem Öl. Aufgrund des hohen Fettanteils ist es möglich ein Muskatöl zu pressen welches in unseren Längengraden allerdings nicht sehr verbreitet ist. Frisch gemahlen verströmt sich der typische würzige und leichtbittere Geruch und Geschmack. Angewendet wird das Gewürz nur in kleinen Mengen aufgrund seiner Stärke und seinen ansonsten ungesunden Nebenwirkungen. Die ätherischen Öle haben teils krebserregende und halozinogene Eigenschaften.
Durch letztere ist es auch möglich die Würzpflanze als Droge zu missbrauchen welche einen meskalin-ähnlichen Rausch hervorrufen kann. Als Droge setzt sich das Ganze allerdings nicht durch da dies nur funktioniert wenn der Konsument genetisch in der Lage ist den Stoff Myristicin in die eigentliche Droge umzuwandeln (das ist bei den wenigsten Menschen der Fall). Auf einen Versuch sollte man es nicht ankommen lassen da die ersten Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen werden bereits ab einer Menge von 4 Gramm auftreten, was für ein Kleinkind sogar schon tödlich sein kann! Großen Mengen ab 20 Gramm können darüber hinaus zu tagelangen Delirien führen!
Nichts desto trotz gehört die Muskatnuss zu einen meiner Lieblingsgewürzen in der Bar (nebst Zimt und Vanille) und sollte nicht fehlen. Wie schon zu beginn geschrieben sind die Aromen eine perfekte Ergänzung in Cream-Drinks. Erst durch eine Prise Muskat wird ein Milk-Punch trinkenswert. Ebenfalls nicht zu verachten ist das Gewürz in Kombination mit gereiften Spirituosen wie Rum und Brandy. Entwickelt man ein neues Cocktailrezept und sucht noch einen kleinen Kick könnte die Nuss des Muskatbaum genau das richtige sein.

Dienstag, 14. Juli 2009

Rum-Chat mit Ian Burrell


Rum gehört unbestritten zu einer der beliebtesten Zutaten hinter der Bar. Das ist auch kein Wunder bei einer Spirituose deren Geschichte mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit reicht. Rum gehört zur karibischen Kultur wie Bier zu Bayern. Von den höchsten Gebieten Guatemalas bis hin zum kleinsten Dorf in Trinidad ist diese Alkoholika zu finden. Doch wo findet man wirklich authentischen Rum aus der Karibik wie er war und ist? Dieser Frage stellt sich Ian Burell, Mixologist, Rum Ambassador und Veranstalter des UK Rum Festivals an dem morgigen Mittwoch. „Mr. Rum“ wird in einem Live-Videochat Fragen zum flüssigen Lebensgefühl der Südsee entgegennehmen und beantworten.
Wer eine Frage zum Thema Rum hat kann diese noch bis morgen Mittag hier eintrage. Ian beantwortet diese ab 14:00 Uhr Ortszeit live auf dem gleichen Link. Sehr schade das dafür nur eine halbe Stunde eingeplant ist (und ich zur dieser Zeit selbige nicht habe).
Präsentiert wird der Chat von truerum – ein Projekt diverser karibischer Rumerzeuger um ausgewählte Produkte zu präsentieren.

Freitag, 10. Juli 2009

Das Phänomen Sammlung


Es heißt eine Sammlung muss man nicht erklären – das macht man einfach. Der Sinn und Zweck davon bleibt einem Selbst meist verschlossen und jeder hat schon einmal irgendetwas gesammelt. Aus diesem Grunde halte ich niemanden für bekloppt selbst wenn er etwas noch so Sinnloses zusammenträgt wie Kugelschreiber, Teebeutel, Handtaschen, Panzer oder Schrauben (oder Barbücher, oder Shaker , oder Gläser, oder... ;-)
Ich kann mich selbst nicht mehr daran erinnern wie damals meine Havana Club Sammlung angefangen hat. Es muss zur selben Zeit gewesen sein als ich meine Billigst-Spirituosen durch die nächste Stufe ausgetauscht habe und ich eine Leidenschaft für Rum entwickelt habe (also vor langer, langer Zeit – ich glaub ich werde alt) Die Sammlung beschränkte sich dabei lediglich auf gefüllte, und natürlich verschlossene, Flaschen mit alten Etiketten. Täglich wurden Auktionshäuser durchstöbert, immer auf der Suche nach einem HC-Label das sich nur wenig von einem anderen Unterscheidend aber dennoch nicht das Selbe ist.
Erstaunlich ist das ich nicht der Einzige bin. Sammlungen von alten Spirituosen sind nicht außergewöhnlich aber Havana Club ist eine mysteriöse Sparte für sich. Bei Ebay ist es möglich alte und seltene Spirituosen teils für wenige € zu erhalten während eine ältere Flasche des Kubaners rasant in dreistellige Bereiche schießt. Ich kann es mir absolut nicht erklären aber es ist einfach so – immerhin hab ich selbst jahrelang den Preis mit in die Höhe getrieben. Doch irgendwann kam das Ende der Sammlung: Es gab keine Flaschenform zu erstehen die ich noch nicht hatte und wenn doch sind die Preise endgültig zu hoch geworden. Aktuelle liegen diese zwischen 120€ und 180€. Die Sammelleidenschaft für diese Spirituose lies langsam nach und so beschloss ich mich von meinen knappen 50 angehäuften Objekten zu trennen. Dank den schon erwähnten anderen Verrückten bei Ebay stellte sich das als kein großes Problem dar und meine einst vierstellige Ausgabe für die Sammlung kam mit leichtem Gewinn wieder zurück. Umso mehr freut es mich das knapp die Hälfte an einen einzigen Bieter gegangen ist. Ich denke hier sind die Spirituosen gut aufgehoben. Ich wahr mir dem allerdings immer bewusst das ich die Sammlung jederzeit ohne Verlust verkaufen könnte, ansonsten hätte ich nie das Geld investiert – ich sah es als Investition.
Jetzt nachdem die letzten beiden Flaschen zum Verkauf anstehen sind noch drei Weitere vorhanden von denen ich mich doch nicht trennen kann. Zu sehr hab ich mich gefreut wirkliche Raritäten wie den Havana Club Exquisito zu besitzen (ein kubanischer Rum aus frischen Zuckerrohrsaft!)
Man könnte zusammenfassend sagen ich habe mein Geld gegen Rum getauscht um ihn anschließend wieder zu Geld zu machen. Und nun das glorreiche Ende der Geschichte: Ratet mal was ich mit den Einnahmen der Verkäufe gekauft habe? Um das Ganze mit einem Zitat von Oliver Steffens (Trinklaune) zum Thema abzuschließen: „Wir sind schon Wahnsinnige, oder ?“

Dienstag, 7. Juli 2009

Vintage Spirits - Neuauflage


Das Buch „vintage spirits & forgotten cocktails“ dürft zu den besten Cocktailbüchern der letzten Jahre zählen. Alte Rezepte wurden „wieder entdeckt“, etwas angepasst und in diem Werk veröffentlicht mit der jeweiligen Geschichte hinter dem Drink. Das führte dazu, dass das Buch innerhalb relativ kurzer Zeit komplett vergriffen war und teils horrende Preise bei ebay & Co dafür verlangt wurden. Die allgemeine Freude war groß als eine Neuauflage erwähnt wurde. Deren Erscheinungstermin verschob sich immer wieder nach hinten so das meine Vorreservierung bei Amazon nun schon seit Monaten vorherrscht.
Die letzten Tage erreichte mich nun die Erlösende Email: Das Buch ist in den nächsten Wochen versandfertig! Grund zur Freude sind die erweiterten Texte im Buch und die neu hinzugefügten Rezepte. Vor einem guten Monat lies mir der Autor Ted „Dr. Cocktail“ Haigh folgende Mail zukommen in der weiter Informationen zum Buch zu finden sind.

Friends, history buffs, cocktail enthusiasts, creative thinkers...it has been half a decade since Vintage Spirits & Forgotten Cocktails was released, to more fanfare than I could ever have imagined. In two weeks, Vintage Spirits & Forgotten Cocktails, the deluxe, revised & expanded edition, will hit the shelves.
This is a sincere avowal of my belief that the new edition is better than the first. Here are some reasons I think so: There are fully 25% more forgotten recipes to try. The book is over twice as long. (Why 25% more recipes but twice the pages? I'll explain...)
The problem was...the book also had a deadline. While I was very proud of it (and thrilled by the response to it) I was aware - even before it was released - that some of the history was incomplete and less clear than I wished. Cocktails were included for which there was no time to ponder and supply the explanatory text they surely deserved. And, I admit it, there were errors. The book did look good but, as a longtime graphic designer, I knew where its every visual weakness lay. And it was paperback. It would not open and lie flat. This meant copies were quickly trashed attempting to actually use them behind the bar.
I agreed to do this new deluxe edition because I was assured a vast degree of creative control that many authors can only dream of. The result, as I said, is a book twice as long with lots more history and drink explanations (for both the original drinks and the many newly revealed ones as well) but that's only the tip of the Kold-Draft ice cube. This new book is hardcover. The cover is water resistant. The result of a clever binding trick, the book opens to any page and lies flat. The substantial historical research yielded photographs, discoveries, and insights, much of which will be newly revealed.
Time moves on. Thus far, everything I've mentioned is a revision, an extension, and enhancement. The cocktail world has expanded and bloomed into full flower around the globe. The changes over the last critical five years have been extraordinary - and it's all chronicled in the deluxe edition. The resource appendix was entirely rewritten with expanded, up-to-date resources. Most importantly, there is a completely new section of the book looking at the Internet and the effect it has had on the cocktail renaissance we now enjoy. I name the twenty-five most influential online cocktail pioneers, interview them about it, and share their thoughts. There you have it. This is the book I always wanted to do; the best Vintage Spirits & Forgotten Cocktails I am capable of.

Ich kann es kaum erwarten das Werk in meinen Händen zu halten und die neuen Rezepte zu testen. Vintage Spirits ist das erste Buch bei dem ich es geschafft habe jedes Rezept zu mixen. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jeden Cocktailliebhaber!

Freitag, 3. Juli 2009

Licor 43 - Gewinnerrezepte 2009

Hier sind wie versprochen die Gewinnerrezepte der 10. Licor 43 Competition 2009

Gewinner der Hauptkategorie:
Golden Delicious von Markus Heinze

3 cl Licor 43
2 cl Swedish Punch (Forgotten Flavours)
1 cl Calcados (Papidoux XO)
1 BL Goldwasser
1 Selleristange 12cm

Den Sellerie im Shakerglas kräftig muddeln und anschließend mit den restlichen Zutaten auf Eiswürfel shaken. Per doubel strain in einen gekühltes Cocktailspitz abseihen.

Gewinner des "Sonderpreis mit Milch":
Mr. Brown von Michael Heimberg

5 cl Likor 43
1 cl Mozart Black
8 cl Milch
3 Zweige gelber Zitronenthymian á 5 cm
1 gehäufter Bl rote Zwetschgenmarmelade

Den Thymian im Shaker leicht muddeln. Die Restlichen Zutaten hinzugeben und alles kräftig auf Würfeleis shaken. In ein mit Crushed Ice gefülltes Longdrinkglas doubelstrainen und einmal umrühren.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Der Mix mit dem Bier

Die kommenden Tage versprechen dem Sommer alle Ehre zu machen. Temperaturen von über 30 Grad sind für das gesamte Land angekündigt, lediglich von einigen kleinen Gewittern unterbrochen. Die daraus resultierende, hohe Luftfeuchte trägt ihren teil dazu bei das wir mächtig ins Schwitzen kommen. Es bietet sich unter diesen Umständen geradezu an diese Abende und Nächte mit einem Drink im Freien zu verbringen. Doch was ist eine kalte und gemixte Alternative an den heißen Nachmittagen? Cocktails sind meist zu klein und zu stark um hier getrunken zu werden (mit Ausnahme des Gin Tonic- der geht immer!)
Die Antwort auf diese Frage lautet: Biermischgetränke – kalt, leicht alkoholisch, erfrischend und großvolumig. Einige der beliebtesten Varianten möchte ich hier kurz vorstellen. Als Urbayer fallen mir spontan einige Variationen dazu ein.
Ganz vorne in der Liste steh natürlich der Radler (für die Norddeutsche: Alsterwasser). Wer kennt nicht die Mischung aus Bier und Zitronenlimo im Verhältnis 1:1. Dieses Getränk passt fast immer und schon längst ist es fertig im Handel erhältlich. Mein Tipp ist hierbei (jetzt festhalten) das Produkt des Discounters Lidl aus der Kunststoffflasche. Eigentlich als absolutes no-go verbirgt sich hinter dem Polyethylen ein gutes Radler mit unschlagbarem Preis- Leistungsverhältnis.
Ebenfalls beliebt ist die Mischung aus Zitronenlimo und Weißbier, welche ungefähr 1:3 gemischt wird. In meiner Region ist dieses Getränk auch als „Russ“ bekannt. Ähnelt dem Radler ist aber deutlich leichter. Im selben Mischverhältnis entsteht auch der allseits beliebte Cola-Weizen. Eine Kombination die etwas herber aber sehr gefällig daher kommt. Diese Getränkekombination gibt es noch in einer Variante mit Pils anstelle des Weißbieres.
Eine sehr spezielle Biervariante stellt die „Gaiß“ dar – einer meiner Favoriten auch wenn es sich im ersten Augenblick sehr merkwürdig anhört. Man fülle ein 0,5er Bierglas 1/3 mit Cola 2/3 mit Bier und gebe ca. 4cl Kirschlikör hinzu. Es entsteht ein Getränk welches nur schwer zu beschreiben ist. Das Bier wird relativ stark überdeckt und erhält eine ungewöhnliche Fruchtigkeit und Frische. Eine sehr süffige Mischung die zu gefallen weis. Die Gaiß gibt es nebst einer Kirschvariante auch als Cognacvariante, die mich persönlich allerdings nicht überzeugt.
Mischt man nicht selber und setzt auf fertige Produkte heißt es testen. Der Markt ist derart überflutet das einem die Wahl schwer fällt. Als empfehlenswert halte ich Schöfferhofer Grapefruit und Becks Lemon . Gewarnt sei allerdings vor Dingen wie Becks Ice – der Gipfel des schlechten Biermischgetränkes. Die Form der Flasche ist das einzige welches noch an eine Biermischung erinnert. Bevor es soweit kommt ist doch ein normaler Cocktail vorzuziehen.

Sonntag, 28. Juni 2009

Kentucky-Cocktails

Dale Degroff bereitete passend zum Kentucky Derby 2009 einen Mint Julep und einen Whisky Smash zu. Danke an „drum-drum“ aus dem Cocktailforum für den Link zum Video :-)

Mittwoch, 24. Juni 2009

Cocktailarena, Update

In den letzten 66 Umfragen der Cocktailarena wurde nun ein Großteil aller Cocktails nach dem K.O.-Verfahren eliminiert. Ich habe immer Versucht ähnliche Drinks, sei es nach Zutaten oder Geschmack, zu ordnen damit die Konkurrenten immer möglichst fair aufeinander treffen. Dass das nicht immer optimal funktioniert ist klar. Das daraus resultierende Ranking ist ja auch nicht ganz ernst zu nehmen aber gibt einen kleinen Einblick in die Trinkgewohnheiten der Cocktailwelten-Leser ;-)
Die Vorrunden sind nun beendet und ich hoffe in den Finalrunden das ihr weiterhin regelmäßig abstimmt um den Drink der Cocktailwelten zu finden. Von nun an werden die Abstimmungen auch länger laufen als lediglich 48 Stunden. Die aktuelle Umfrage ist ein Sonderfall. Da sich immer zwei Drinks duellieren, nun aber 9 Finalisten auf der Liste stehen ergibt sich ein Problem. Wählt bitte in den nächsten drei Tagen den Cocktail den ihr NICHT im Finale sehen wollt!
In den letzten elf Runden wird dann jedes Mischgetränk gegen jedes antreten müssen um die Top 5 zu ermitteln zu können. Am Ende der Arena werde ich eine Tabelle mit sämtlichen Ergebnisen uploaden um eine Übersicht zu erhalten. Und nun weiterhin viel Spaß bei der Qual der Wahl.

Dienstag, 23. Juni 2009

Licor 43 Cocktail Competition 2009

Nach langem Hin und Her ob ich mich auf den Weg machen sollte entschloss ich mich doch einmal mehr die Fahrt nach München anzutreten. Die Cocktail-Sucht hat mich einfach fest im Griff ;-) Der Grund für die kleine Reise war das auf der Praterinsel stattfindende 10. Finale der Licor 43 Cocktail Competition. Für die besten und kreativsten Drinks geht es immerhin um einen Kurzurlaub ins warme Spanien.
In den zehn Jahren dieser Competition wurden mittlerweile erstaunliche 3000 Rezepte eingeschickt mit „Spaniens sanfter Versuchung“. Die acht besten der aktuellen Competition von 450 Einsendungen trafen sich gestern zur feierlichen Preisverleihung. Neben den Cocktails wurde auch dieses Jahr wieder der „Sonderpreis mit Milch“ vergeben. Uwe Christiansen, Barchef des Christiansen´s in Hamburg, eröffnete die Verleihung mit dem Vorstellen der Finalisten und deren Drinks. Schade das die eigentliche Preisvergabe eher schnell von statten ging. Es wäre schön gewesen, hätten die Kandidaten zumindest noch ihren Drink vor Publikum mixen müssen. So gingen die meisten der Rezepturen komplett unter (ich werde sie erst später nachreichen können)

Die Finalisten v.l.n.r: Jens Fuckert, Michael Walter, Michael Heimberg, Dieter Leckschos, Gianfranco Amato, Mitarbeitern Licor 43 (sorry, Name entfallen ;-), Markus Heinze, Erwin Bröker, Carsten Möller

Der Milchpreis ging an Michael Heimbergers Kreation „Mr. Brown“ aus dem Erfurter Modern Masters. In der Fancy-Kategorie belegte Erwin Bröker (Steigenbergers, Bad Pymonts) den dritten Platz mit seinem Drink „Papilotte“ und Gianfranco Amato (Lumen, Wiesbaden) mit „Wild Spirit“ den zweiten Platz. Als Wiederholungstäter des ersten Platzes entpuppte sich Markus Heinze (Sonderbar, Dresden) und sein „Golden Delicious“ – ein Cocktail der unter anderem aus Swedish Punch, Calvados und Danziger Goldwasser besteht.. Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!
Der Abend ging im Laufe der Stunden bei Live-Musik, Tapas, Kaffe, Kuchen und natürlich vielen Drinks gemütlich zu Ende. Es sind Tage wie diese die mich daran erinnern wie toll und kreativ mein Hobby ist…

Sonntag, 21. Juni 2009

Short News

Trollinger: Heute ist der Einsendeschluss des Trollinger 2.0 Contest also Beeilung mit den Rezepturen. Dieser, zum ersten Mal stattfinden, Wettbewerb zählte laut Mixology schon am Anfang der letzten Woche 66 Einsendungen. Diese Zahl verspricht einiges und einen sehr erfolgreichen Start der Württembergischen Weingenossenschaft. Verlockend sind hier natürlich auch die sehr hohen Preisgelder von bis zu 3000 € für den Erstplazierten. Vorraussetzung die Regeln wurden eingehalten: Der Wein-Cocktail darf aus maximal fünf Zutaten bestehen, ein Gesamtvolumen von 25 cl nicht überschreiten und muss mindestens 5 cl Trollinger enthalten. Der Wein-Anteil deines Cocktails muss mindestens die Hälfte des Cocktail-Gesamtvolumens ausmachen. Der Drink sollte überall schnell zubereitet werden können und die gewählten Zutaten sollten den Weincharakter ergänzen und komplettieren, nicht erschlagen. Ich gebe zu das ich selbst Wochenlang mit den verschiedensten Spirituosen getüftelt habe aber kein brauchbares Ergebnis erzielen konnte. Zu guter Letzt entstand ein sehr simpler Drink auf Basis eines Sours mit dem ich leben kann. Versuchen kann man es…

Blogs: Die Blogs des Bartenders-Lab und der Förderung der GSA-Barkultur schließen ihre Pforten! Aber keine Sorge es wird nichts fehlen: Die beiden Webprojekte wurden fusioniert und werden in Zukunft unter der Domain www.bartender-lab.com zusammen arbeiten. Bei neun leidenschaftlichen Bartender unter einem Blog müsste es viel Interessantes zu erfahren geben.
Licor 43: Morgen Abend findet in München, genauer gesagt auf der Praterinsel, das Finale der zehnten Cocktail Competition statt. Ausgemixt wird, wie auch schon in den vergangenen Jahren, der Standart-Cocktail und der Sonderpreis für einen Milchcocktail. Die acht Finalisten mussten sich gegen 450 andere Kreationen durchsetzen – Wahnsinn! Wer es schlussendlich auf das Siegertreppchen geschafft hat kann man in wenigen Tagen hier im Blog erfahren.

Rye-Tasting: Kaum eine Spirituose konnte in den letzten Jahren so sehr überzeugen wie der amerikanische Whisky auf Roggen-Basis. Einst geschätzt und dann für lange Zeit verschwunden ist diese Spirituose wieder stark auf dem Vormarsch, was man anhand seiner momentanen Vielzahl merkt. Um diese relativ teure Spirituose genauer kennen zu lernen wurde über das Cocktailforum ein kleines Blind-Tasting ausgerufen, welches Sascha vom Cocktails Old Fashioned Blog organisierte. Auf die kommenden Ergebnisse darf man sehr gespannt sein.

iPhone: Unglaubliches welchen Hype das neue iPhone von Apple und die neue Software 3.0 in der letzten Woche erzeugt hat. Nachdem auch ich das OS-Update nach einigen Komplikationen überlebt habe stöberte ich eine weitere brauchbare Cocktaildatenbank im App-Store auf. Unter dem Titel GM Cocktails findet man eine gelungene Sammlung von über 400 Rezepturen auf Grand Manier Basis. Und das Beste: Die Applikation ist kostenlos. Hoffentlich kommen noch viele Spirituosenhersteller auf diese Art des Marketings ;-)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Der Teekanneneffekt


Wer kennt das nervende Phänomen nicht? Man benötigt noch einen kleinen Schuss einer Spirituose in einem Drink. Man kippt die Flasche vorsichtig Richtung Glas doch anstatt in das Glas fließt alles am Flaschenrand entlang und gezielt daneben. Dieses Ergebnis ist die Auswirkung des so genannten Teekannen-Effekts.
Wieso ist das so? Jetzt wird’s physikalisch: Die Flaschen werden zum Hals hin in der Regel dünner. Der Inhalt fließt an der Engstelle entlang, der Durchmesser des Strahls wird enger und die Flüssigkeit beginnt sich zu beschleunigen. Zu vergleiche ist das mit einem ruhigen Bach der seine Wassergeschwindigkeit in einer Klamm extremst beschleunigt. Das ist der erste Teil des Phänomens. Der zweite Teil handelt ganz im Sinne der Hydrodynamik nach dem schweizer Mathematiker Daniel Bernouilli. Eine beschleunigte Flüssigkeit, in diesem Fall eine Spirituose, ist im Vergleich zu ihrer Umgebung der Sitz einer leichten Depresion – eine leichte Druckdifferenz. Wenn die Geschwindigkeit der Spirituose wächst sinkt ihr Druck (und umgekehrt). Ergo ist der Luftdruck der Umgebung höher als der Druck der Flüssigkeit.
Verbindet man nun diese beiden Erscheinungen ergibt sich folgendes Ergebnis: Die Spirituose wird von den Molekülen der Luft gegen die Flaschenwand gedrückt und läuft dort entlang anstatt ordentlich aus der Flasche. Dazu kommt noch die Wirkung von Punkt drei: Die Schwerkraft. Die am Flaschenhals „festgedrückte“ Flüssigkeit wird von der Schwerkraft nun an dieser entlang nach unten Bewegt und beschleunigt abermals, was ja wiederum den Druck erneut verringert – ein kleiner Teufelskreis wenn man so will. Schließlich bleibt die Flüssigkeit an der Flasche hängen und tropft nun Glas vorbei.
Um diesen Effekt zu verhindern muss man nur etwas schneller ausgießen aber ist das nicht im Widerspruch zu dem oben genannten? Im Prinzip schon aber bewegt man die Flüssigkeit mit genug Schwung nimmt diese genügen Bewegungsenergie auf um sich vom Rand des Flaschenhalses, in Form eines Strahls, zu entfernen. Die druckbedingten Adhäsionskräfte werden überwunden und sind dann zu schwach um eine Sauerei anzurichten.
Also wenn man das nächste Mal genervt eine solche Pfütze am Tresen aufwischen muss kann man dem Gast gegenüber behaupten das war Absicht und eine physikalisch aufwendige Versuchsreihe aus der Hydrodynamik ;-)

Montag, 15. Juni 2009

Mixology Monday: Ginger


Der heutige Mixology Monday ist ganz nach meinem Geschmack (im wahrsten Sinne des Wortes) Zum einen weil er von einen meiner bevorzugten Blogs geleitet wird und zum andern weil mich das Thema sehr anspricht. Der Rumdood Matthew Robold ist ein absoluter Freak dieser karibischen Spirituose und reißt dafür auch um die halbe Welt. Des Weiteren verzichtet Matthew auch nicht auf die Verwendung von Ingwer was auch das Thema dieses Monats ist. Da es mir nicht anders ergeht werde ich hier natürlich auch einen Drink mit Rum und Ingwer vorstellen. Es ist den Bloggern freigestellt in welcher Form der Ingwer verarbeitet wird. Roh, als Beer, Ale oder Sirup. Die gelbe Wurzel ist eines meiner Standartzutaten in meiner Küche wie bei so vielen anderen auch. Doch was ist Ingwer überhaupt und was macht ihn so beliebt?
Das Wort Ingwer stammt von dem griechisch-lateinischen Ausdruck „zingiber“, welches wiederum von dem altindischen „schringaverâm“ abstammt. Übersetzt bedeutet dies soviel wie hornförmig was bei einem Blick auf die Wurzel selbsterklärend ist. Deren Anwendung findet man mittlerweile in vielen Bereichen vom einfachen Gewürz bis hin zum Arzneimittel. Hauptanbaugebiet des Gingers sind vor allem asiatische Gefilde wie Indonesien, Vietnam und Indien. Aber auch Nigeria gehört zu den Großanbaugebieten der Allzweckpflanze. Wer eine Wurzel länger bei sich liegen lässt wird feststellen das diese auszutreiben beginnt. In der Tat ist es möglich diese in eine Mischung aus Blumenerde und Sand (1:1) zum wachsen zu bringen. Ein Stück der Wurzel muss dabei aus der Erde schauen. Das ist allerdings nur als Dekopflanze zu sehen da das Wachsen einer vernünftigen Wurzel für den Küchengebrauch sehr lange dauert. Wer es doch versucht wird eine 80 cm große, schilfartige Pflanze erhalten die sogar zum blühen kommt, vorausgesetzt man hält den Topf warm und feucht. Die Blätter sind ca. 20cm lang und 3 cm breit und können ebenfalls kulinarisch Verarbeitet werden z.B. klein geschnitten im Salat. Das Aroma ist Ingwertypisch aber nur sehr dezent. Über die Anwendung der Ingwerwurzel muss ich wohl keine Worte mehr verlieren – das kennt jeder ;-)
Wie schon am Anfang erwähnt entscheide ich mich für einen Drink mit frischem Ingwer ganz im Sinne des Cuisine Style. Kombiniert man diese Zutaten weiterhin mit frischer Minze und weitern Flüssigkeiten entsteht daraus der

Ginger Mojito
6 cl weißer Rum
4 cl Limettensaft
2 cl Zuckersirup
1 Zweige frische Minze
frischer Ingwer, ca 5 cm
Soda

Der Ingwer wird in dünne Scheiben geschnitten und zusammen mit einigen Minzblättern im Gästeglas ein wenig mit dem Muddler angedrückt. Nach der Zugabe von Eiswürfeln werden Rum, Saft und Sirup hinzugegeben und gut miteinander verrührt. Aufgefüllt mit etwas Soda und dekoriert mit der restlichen Minze kann der Longdrink eiskalt serviert werden. Der Drink sollte wie ein normaler Mojito schmecken aber mit der typischen schärfe des Ingwers im Abgang. Cheers!